Geplanter Besuch des Heimatmuseums Eversberg

Am Samstag, den 22.10.2022 plant der Arbeitskreis Dorfgeschichte Voßwinkel einen Besuch des Heimatmuseums in Meschede – Eversberg mit dortiger fachkundiger 1,5stündiger Führung.

Folgender Ablauf ist geplant:

            Gegen 13:15 Uhr Abfahrt von Voßwinkel
            14:00 Uhr            - parallel
                           Gruppe 1:   14:00 – 15:30 Uhr  Besuch des Heimatmuseums
                           Gruppe 2:   14:00 – 15:30 Uhr  Führung durch Eversberg mit einem    
                                                          Vertreter des Heimatvereins;
            15:30 Uhr            Wechsel der Gruppen
            Die Aufteilung in zwei Gruppen  erfolgt nur bei einer ausreichenden Anzahl von
            Teilnehmern.
            Der Nachmittag könnte abgeschlossen werden mit einem Kaffeetrinken in Eversberg
            oder einer Einkehr in Voßwinkel („Alte Post“).

Nähere Infos zum Besuch zum Heimatmuseum unter: https://museum-eversberg.de/

Mit freundlichem Gruß
Alex Paust

Meldungen bitte an:
Alex Paust (Tel. 429580), Mail: alpaus@unitybox.de
oder
Michael Rademacher (Tel.: 23281), Mail: michael@rademacher.com

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Geplanter Besuch des Heimatmuseums Eversberg

Herzlichen Glückwunsch zum 101. Geburtstag Pater Rudolf Schnettler!

Pater Michael Böhles (Mag.Theol. CSSp) vom Kloster Knechtsteden hat den Arbeitskreis Dorfgeschichte Voßwinkel angeschrieben:

Sicher haben Sie mitbekommen, dass Rudolf Schnettler (CSSp) seinen 101. Geburtstag am 03.09.22 vollendet hat? Da er inzwischen im Altenheim „Maria Frieden“ (Baden-Baden, Ebersteinburg) lebt und von den dortigen Pflegekräften der „Schwestern vom Göttlichen Erlöser“ versorgt wird, kann er „noch zulegen“?!?

Mail vom 11. September 2022

Wir haben uns über die Mail sehr gefreut und sagen nachträglich zu Pater Rudolf Schnettler: Herzlichen Glückwunsch aus der Heimat zum 101. Geburtstag!! Und wir wünschen natürlich alles alles Gute, Gesundheit und noch viele Lebensjahre!!

Im Juni 2015 haben wir in den Voßwinkeler Rückblicken Nr. 19 über Pater Rudolf Schnettler berichtet. Hier kann der Bericht nachgelesen werden:

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Herzlichen Glückwunsch zum 101. Geburtstag Pater Rudolf Schnettler!

„Voßwinkeler Rückblicke“, Ausgabe 33

Voßwinkel. Mit der 33. Ausgabe der heimatgeschichtlichen Zeitschrift „Voßwinkeler Rückblicke“ legt der Arbeitskreis Dorfgeschichte unter anderem den ersten Teil der Forschungsarbeit „NS-Euthanasie und Zwangssterilisation im ländlichen Sauerland“ vor. 

Bei der Titelgeschichte „Krieg gegen das eigene Volk“ geht es um das bisherige Ergebnis der Recherchen des Arbeitskreises über die Verbrechen der Nazis an Voßwinkeler Bürgern. Vermeintlich Erbkranke wurden vom Erbgesundheitsgericht Arnsberg zur Unfruchtbarmachung verurteilt. Die Hintergründe und die Verfahren der bisher acht dokumentierten Fälle aus Voßwinkel werden beschrieben.  

„Mit dem Forschungsprojekt, für das der Bürgermeister der Stadt Arnsberg, Ralf Paul Bittner, die Schirmherrschaft übernommen hatte, hat unser Arbeitskreis ein sensibles Thema aufgegriffen, über das bisher lieber der Mantel des Schweigens ausgebreitet wurde,“ betont Michael Rademacher, Vorsitzender des AK. „Auch wenn wir mit Rücksicht auf die Familien die vollen Namen nicht nennen, möchten wir diesen Opfern der Gewaltherrschaft „ein Gesicht“ geben und an das Leid dieser meist vergessenen Opfer erinnern.“       

Auch zu den Opfern des NS-Regimes gehörte der „Rundfunkverbrecher“ Paul Albers, vielen Voßwinkelern bekannt als Fotochronist. Berichtet wird, wie dieser 1943 als 17-jähriger durch die Gestapo wegen Abhörens eines „Feindsenders“ ins Gefängnis gesperrt wurde. 

Um auch in dieser Ausgabe wieder eine Themenvielfalt aus jüngerer oder älterer Dorfgeschichte zu bieten, hat der AK dieses Heft auf 28 Seiten erweitert. 

Dabei geht es noch um den früheren Kinderspielplatz an der Alscherstraße, um die Anfänge der Firma Aloys Hütter und um 60 Jahre Leuchtenfirma Neuhaus.  

Des Weiteren gibt es einen Bericht über die ersten Kraftfahrzeuge auf öffentlichen Straßen vor 120 Jahren und eine Beschreibung von Bauernlasten im 18. und 19. Jahrhundert.  

Mit einem Foto aus dem Jahr 1914, das den Bereich des früheren Voßwinkeler Bahnhofes zeigt mit bisher unbekannten Ansichten, präsentiert das Redaktionsteam einen Überraschungsfund. 

Zu erwerben sind die „Voßwinkeler Rückblicke“ mit 28 Seiten und vielen Bildern bei den Mitgliedern des Arbeitskreises, in den Voßwinkeler Bäckereien, im Ingenieur-Büro Rademacher und im Neheimer Buchhandel zum Preis von 3,50 Euro. 

   

Anlässlich der Vorstellung des neuen Heftes informierte sich Bürgermeister Ralf Paul Bittner (Mitte) bei den Vorstandsmitgliedern des AK zum Stand der Forschungsarbeit über „NS-Verbrechen an Voßwinkeler Bürgern“, für das er die Schirmherrschaft übernommen hatte. (v. li. Michael Rademacher, Michael Filthaut, Alex Paust, Martin Neuhaus) 

Info: 

  • Bei den Recherchen des AK zu den NS-Verbrechen geht es um geschützte Daten, die nur unter besonderen Bedingungen eingesehen werden können.   
  • Die Schirmherrschaft für das Projekt durch Bürgermeister Bittner und die Unterstützung durch Stadtarchivar Gosmann waren für den AK hilfreich als „Türöffner“ bei den Kontakten zu bisher über 30 verschiedenen Archiven und Institutionen.   
  • Das bisherige Ergebnis der Forschungsarbeit hat der AK bereits in zwei Vortragsveranstaltungen vorgestellt. Wegen des großen Interesses ist im Herbst eine weitere Veranstaltung geplant. 
  • Bei der Präsentation geht es nicht um die großen Opferzahlen irgendwo, sondern um Einzelschicksale im Heimatort. Der AK bietet den Vortrag auch zur Ergänzung des Geschichtsunterrichts in den weiterführenden Schulen an.   
Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für „Voßwinkeler Rückblicke“, Ausgabe 33

Jahreshauptversammlung des Arbeitskreises Dorfgeschichte

Voßwinkel. Nach der Corona-bedingten Pause hat auch der AK Dorfgeschichte wieder eine Jahreshauptversammlung durchgeführt.

Der Vorsitzende Michael Rademacher gab einen Rückblick auf die letzten beiden Jahre, in der viele Aktivitäten nur eingeschränkt möglich waren. Dennoch konnte die heimatgeschichtliche Zeitschrift „Voßwinkeler Rückblicke“ wie gewohnt zweimal pro Jahr herausgebracht werden. Er berichtete über eine positive Mitgliederentwicklung und auch über einen guten Kassenbestand, sodass die Versammlung den Vorstand entlasten konnte.

Bei den anstehenden Wahlen wurden Michael Rademacher als erster, Michael Filthaut als zweiter Vorsitzender sowie Schriftführer Alex Paust im Amt bestätigt. Wegen der ausgefallenen Versammlungen konnte jetzt endlich mit Martin Neuhaus ein neuer Kassierer für den 2019 verstorbenen Heinz Kaiser gewählt werden.

Der aktuelle Vorstand des AK Dorfgeschichte: Michael Rademacher (1. Vors.), Martin Neuhaus (Kassierer), Michael Filthaut (2. Vors.) und Alex Paust (Schriftführer) (v. re. n. li.)

Neben einem Ausblick auf geplante Aktivitäten des laufenden Jahres gab Michael Filthaut einen Überblick über die Forschungsarbeit zu den Verbrechen der Nationalsozialisten in Voßwinkel, für die noch immer nicht alle Akten in den Archiven gesichtet werden konnten. Das bisherige Ergebnis mit immerhin drei Mordopfern und acht Zwangssterilisationen wird der AK noch einmal am Dienstag, den 31. Mai um 19.30 Uhr im Pfarrheim Voßwinkel vorstellen.

Nach dem offiziellen Teil der Sitzung zeigte der Vorsitzende Fotos des Arbeitskreises vom Erntedankzug 1959 und früheren Schützenfesten, wobei über die gezeigten Personen diskutiert und das Gezeigte lebhaft mit eigenen Erinnerungen verbunden wurde.

Veröffentlicht unter Allgemein, Jahreshauptversammlung | Kommentare deaktiviert für Jahreshauptversammlung des Arbeitskreises Dorfgeschichte

Einladung zur Jahreshauptversammlung am 20. Mai 2022

Veröffentlicht unter Jahreshauptversammlung | Kommentare deaktiviert für Einladung zur Jahreshauptversammlung am 20. Mai 2022

Vor 25 Jahren: Karl Deimen wurde Schützenoberst

Am letzten Wochenende konnte nach einer coronabedingten Pause wieder eine Generalversammlung der Schützenbruderschaft durchgeführt werden.

Vor ziemlich genau 25 Jahren, am 1. März 1997, gab es einen besonderen Wechsel an der Spitze der Schützen. Für Alois Kubatzki, der in den Ehrenvorstand berufen wurde, wählte die Versammlung Karl Deimen zum neuen Schützenoberst.

Bericht in der Westfälischen Rundschau vom 3. März 1997

Dieses Amt führte Karl Deimen dann bis März 2015, also insgesamt 18 Jahre, mit großem Erfolg aus. Karl Deimen verstarb am 30. Juli 2019.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Vor 25 Jahren: Karl Deimen wurde Schützenoberst

Arbeitskreis Dorfgeschichte sagt Versammlung ab

Voßwinkel
Aufgrund der Prognosen – bis Mitte Februar Inzidenz von bis zu 3000 –
und möglicher Auswirkungen der Corona-Pandemie hat der Vorstand
des AK Dorfgeschichte Voßwinkel beschlossen, auch mit Rücksicht auf
ältere Mitglieder, die für Freitag, 11.2.2022, vorgesehene Jahreshaupt-
versammlung bis zum Frühsommer zu verschieben.
Dazu wird frühzeitig informiert und eingeladen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Arbeitskreis Dorfgeschichte sagt Versammlung ab

Die geplante Wiederholung des Vortrages „Krieg gegen das eigene Volk“ wird coronabedingt verschoben

Voßwinkel. Der Arbeitskreis Dorfgeschichte wird die für Sonntag, den 30. Januar geplante Wiederholung des Vortrages „Krieg gegen das eigene Volk“ coronabedingt verschieben.

Auch wenn die Organisatoren des Arbeitskreises gerne mit dieser Veranstaltung, bei der es um die Gräueltaten der Nationalsozialisten im ländlichen Sauerland geht, an den 89. Jahrestag der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten erinnert hätten, soll die Sicherheit der Besucher vorgehen.

Sobald die Corona-Lage es zulässt, wird ein neuer Termin bekanntgegeben.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Die geplante Wiederholung des Vortrages „Krieg gegen das eigene Volk“ wird coronabedingt verschoben

„Voßwinkeler Rückblicke“, Ausgabe 32, erschienen

Voßwinkel. Die weiter anhaltende Corona-Pandemie erschwert nicht nur die Arbeit des Redaktionsteams, sie bestimmt auch weitgehend den Inhalt der neuen Ausgabe der „Voßwinkeler Rückblicke“, die jetzt vom Arbeitskreis Dorfgeschichte vorgestellt wurde.

So musste die Kameradschaft ehemaliger Soldaten das im letzten Sommer geplante größere Fest zu ihrem 150-jährigen Bestehen absagen. Über die wechselvolle Geschichte dieses Vereins, nach der Schützenbruderschaft der zweitälteste Verein im Dorf, wird berichtet.

Auf ihr Schützenfest mussten die Voßwinkeler nun schon zweimal verzichten. Daher schwelgt die Titelgeschichte in Nostalgie: Die gute alte Zeit, als die großen Feste noch unbeschwert gefeiert werden konnten.

Das älteste dem Arbeitskreis vorliegende Schützenfestfoto aus dem Jahr 1905 mit Schützenkönig Bernhard Rohe

Aktuelles Diskussionsthema ist die drohende Inflation. Wie unsere Großeltern diese schon einmal erlebt haben, beschreibt der Bericht über Notgeld und Inflation. Abgebildet sind einige von der Stadt Neheim und von der Sparkasse Arnsberg herausgegebene Ersatzmünzen und Notgeldscheine.

Fortgesetzt wird im neuen Heft die Serie zu Voßwinkeler Namen, bei denen es um ihre Bedeutung, Geschichte und Herkunft geht. Wie sie als Kinder in den 1950er Jahren die Feier des Weihnachtsfestes erlebt haben, beschreiben zwei Mitglieder des Redaktionsteams.

Auch in diesem Heft befasst sich der AK mit den Verhältnissen während des Krieges und der NS-Diktatur. Zum einen gibt es einen Bericht des in diesem Jahr verstorbenen Ferdi Höffer, der das Kriegsende als 16-jähriger Luftwaffenhelfer am Sorpesee erlebt hat. Zum anderen einen kurzen Bericht über die Vortragsveranstaltung des AK am Volkstrauertag zum Forschungsprojekt „NS-Euthanasie und Zwangssterilisation in Voßwinkel“, der wegen des großen Interesses am 30. Januar 2022 wiederholt wird.

Zu erwerben sind die „Voßwinkeler Rückblicke“ mit 24 Seiten und vielen Bildern bei den Mitgliedern des Arbeitskreises, in den Voßwinkeler Bäckereien, im Ingenieur-Büro Rademacher und im Neheimer Buchhandel zum Preis von nur 3,50 Euro.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für „Voßwinkeler Rückblicke“, Ausgabe 32, erschienen

Morde und Zwangssterilisationen auch im Sauerland

Bericht von Andreas Dunker

Arnsberg-Voßwinkel. „Krieg gegen das eigene Volk – Opfer von Euthanasie, Zwangssterilisation und Justiz in einem Dorf im Sauerland“ – unter diesem Titel präsentierte der Heimatforscher Michael Filthaut am vergangenen Sonntag (14. November 2021) aktuelle Forschungsergebnisse eines Projektes des „Arbeitskreis Dorfgeschichte Voßwinkel“. Im Rahmen der Veranstaltung zum Volkstrauertag erinnerte man dabei an die „vergessenen“ Opfer der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945, die sich auch vor Ort grausam auswirkte.

„Morde und Zwangssterilisationen hat es in der Zeit des Nationalsozialismus‘ nicht nur in größeren Städten, sondern auch im ländlichen Raum gegeben“, bilanzierte Filthaut, der sich seit zwei Jahren im Rahmen intensiver Archivrecherchen mit dem Thema befasst hat. Exemplarisch verdeutlichte er das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen anhand von drei dokumentierten Fällen aus Voßwinkel.

Michael Filthaut

Bedrückende Erkenntnisse aus heimatkundlicher Forschung

„Wir wollen den Opfern ein Gesicht geben, werden aber mit Rücksicht auf deren Familien keine Nachnamen nennen“, erklärte Michael Rademacher als Vorsitzender des Voßwinkeler Arbeitskreises in seiner Begrüßung der rund 50 Besucher des Vortrags im katholischen Pfarrheim, der am 30. Januar 2022 um 16.30 Uhr nochmals wiederholt werden soll, da es mehr Anmeldungen als Plätze gab. Rademacher warnte die Zuhörer, dass das Ergebnis der historischen Forschung leider äußerst „bedrückend“ sei und in vielen betroffenen Familien „bis heute ein Tabu-Thema“ sei.

Voßwinkeler Arbeitskreis als Vorbild für andere Ortsteile

Die stellvertretende Bürgermeisterin Margit Hieronymus, die die Stadt Arnsberg vertrat, lobte in ihrem kurzen Grußwort ausdrücklich die Initiative der Voßwinkeler Heimatforscher zur Aufarbeitung der örtlichen Historie während des nationalsozialistischen Unrechtsregimes. Der Arbeitskreis bringe durch seine akribischen Forschungen endlich Licht in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte auf lokaler Ebene. Damit habe man einen enormen Erkenntnisgewinn für die Arnsberger Stadtgeschichte. Es sei ein Vorbild auch für andere Ortsteile.

Dorfgeschichte im Bundesarchiv entdeckt

Der Weg zu einem so wichtigen Teil der Voßwinkeler Dorfgeschichte habe seinen Beginn im Bundesarchiv, erklärte Michael Filthaut als stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises und Referent des Abends. „Erst mit der Übergabe einer Opfer-Akte durch einen Angehörigen vor etwa zwei Jahren, die dieser aus dem Bundesarchiv in Berlin angefordert hatte, fanden wir Ansätze für umfangreiche Recherchen in diesem und verschiedenen anderen Archiven.“

So zeigte Filthaut in seinem Vortrag am Beispiel des Voßwinkeler Dorfbewohners „Josef“ das Verfahren einer Zwangssterilisation auf.

Einem weiteren Mann namens „Josef“, einem „Franz“ und dem nur acht Jahre alten „Paul“ aus Voßwinkel brachten vermeintliche Therapien in den Heilanstalten Warstein beziehungsweise Niedermarsberg nur Unheil: Die behinderten bzw. kranken Menschen waren nach der nationalsozialistischen Ideologie „unbrauchbar“. Nicht arbeitsfähig wurden sie nur als Kostenverursacher für die „Volksgemeinschaft“ angesehen. Im Rahmen staatlicher Tötungsprogramme wurden sie deshalb ihren Familien entrissen und als „lebensunwertes Leben“ ermordet.

Die beiden erwachsenen Männer kamen in der Tötungsanstalt Hadamar im heutigen Hessen ums Leben und der achtjährige „Paul“ wurde in einem dreitägigen Transport in engen Viehwaggons der Reichsbahn nach Meseritz (heute: Polen) gebracht.

Schrecklicher Leidensweg von drei ermordeten Voßwinkelern

Den persönlichen Leidensweg aller drei Voßwinkeler zeichnete Filthaut in seinem Vortrag so weit wie möglich nach. Deutlich machte er dabei auch, wie die nationalsozialistische Diktatur sogar Hebammen, Ärzte und Lehrer zu Denunzianten, Mittätern und Erfüllungsgehilfen ihrer menschenverachtenden Rassenideologie machten.

Michael Filthaut zeigte in seinen sachlichen Ausführungen auf, wie die nationalsozialistische Bürokratie die betroffenen Familien mit gefälschten Sterbedaten und Todesorten täuschten, um ihre perfiden Taten zu verschleiern. Nach der Ermordung der teils behinderten und kranken Opfer wurde auf der entsprechenden Akte der Vermerk „Erledigt“ angebracht.

Kritiker durch staatliche Repressalien mundtot gemacht

Wenn Eltern oder andere Familienmitglieder eventuell Verdacht geschöpft und Zweifel am natürlichen Tod ihrer Angehörigen geäußert hätten, wären sie sofort mit Repressalien bedroht worden, um sie zum Schweigen zu bringen, berichtete Filthaut. Zudem sei auch der Bevölkerung in den Orten mit den vermeintlich therapeutischen Heilanstalten und den Tötungseinrichtungen die Gräueltaten der Nationalsozialisten offenbar nicht verborgen geblieben. Denn viele Patienten hätten eine Vorahnung des ihnen drohenden Schicksals gehabt und sich auf den Transporten in den Tod lautstark gewehrt. Außerdem hätten nach der Ermordung der Opfer in den Einrichtungen die Schornsteine der angeschlossenen Krematorien tagelang geraucht, wo die Leichen verbrannt und eingeäschert worden seien.

„Erst durch öffentliche Kritik einiger Kirchenvertreter wurde die 1940 begonnene zentral gesteuerte Tötungsaktion durch Vergasen im August 1941 wieder eingestellt. Doch danach ging das Morden dezentral unter anderem durch Giftspritzen, Über- oder Unterdosierung von Medikamenten sowie unzureichende Nahrung weiter“, berichtete Filthaut.

Nationalsozialistische Pseudowissenschaft von „Erbgesundheit und Rassenhygiene“

Möglich seien diese grausamen Verbrechen durch die nationalsozialistische Pseudowissenschaft von „Erbgesundheit und Rassenhygiene“ geworden. Danach zählte nur die arische Rasse, der Herrenmensch oder der „neue Deutsche“ als lebenswert. Diejenigen, die nicht in das neue „System“ passten – wie Juden, Nicht-Arier, Schwule und Lesben, Sinti und Roma, Kranke und Behinderte, Alkoholiker sowie andere angeblich „nicht brauchbare“ Menschen und Andersdenkende – wurden in „Irrenanstalten“ weggesperrt und viele auch umgebracht. Vermeintlich „Erbkranke“ wurden zudem durch Bestrahlungen oder Operationen – teils ohne Narkose – zwangssterilisiert und unfruchtbar gemacht. Dabei seien auch Vertrauenspersonen wie Hebammen und Ärzte missbraucht worden, die körperlich Behinderte und geistig Kranke hätten melden müssen, so der Voßwinkeler Heimatforscher.

Lehrer mussten Kinder melden

Auch Lehrer hätten den zuständigen nationalsozialistischen Stellen wie beispielsweise dem Erbgesundheitsgericht in Arnsberg über die „Brauchbarkeit“ ihrer Schüler und deren Familien berichten müssen. Denn nur „brauchbare“ Familien bekamen Kindergeld.

So wurde der bedürftigen Familie des oben erwähnten Voßwinkelers „Josef“ mit vier gesunden Kindern die finanzielle soziale Unterstützung verweigert, weil der Vater krank und in der Heilanstalt in Warstein untergebracht war. Schizophren dabei: Während die Behörden der Familie das Kindergeld zum Lebensunterhalt verweigerten, verliehen die Nationalsozialisten der Frau parallel das „Ehrenkreuz der deutschen Mutter in Bronze“ für das Aufziehen der vier gesunden Sprösslinge.

Opfern blieb Wiedergutmachung verwehrt

Michael Filthaut: „In diesem Fall wurde der Familie auch nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft sogar auch noch die finanzielle Wiedergutmachung für politisch Verfolgte versagt. Die absurde Begründung: Der Familienvater sei so krank gewesen, dass er sowieso nicht mehr hätte arbeiten können.“

Wegen Corona wurden nur 50 Personen im Publikum zugelassen. Wegen der hohen Nachfrage wird der Vortrag im Januar 2022 wiederholt

INFO

Erbgesundheitsgerichte urteilten auch über die Sterilisierungen nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“. Durch das Erbgesundheitsgericht Arnsberg (Bezirk des Landgerichts) wurden mehr als 2.100 Menschen zur Unfruchtbarmachung verurteilt. Für Voßwinkel kann der Arbeitskreis Dorfgeschichte bis jetzt sechs Fälle nachweisen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Morde und Zwangssterilisationen auch im Sauerland